Verstehe ich, mit allen Sinne bewusst geniessen.
Bei den tastings ging es mir aber weniger um den Genuss als mehr um möglichst neutrales, subjektives bewerten der Spirituosen. Ich versuche alles auf emotionaler Ebene auszublenden.
Und die Punktzahlen haben wir ja fĂŒr den Geruch und den Geschmack gegeben, und nicht weil Rye #8 so schoene Reflexe hatte (ich zumindest).
Nimmt man zum Beispiel 2 mal denselben Whisky, nur einmal mit Zuckercolour dunkler gemacht, bekommt man bei ausreichender Anzahl an testern immer dasselbe Ergebnis: Der vermeintlich reifere Whisky (also der dunklere) bekommt mehr Punkte. Es wird nicht umsonst gefÀrbt. Ist zwar schade, lÀsst sich aber wohl nicht vermeiden.
Meine Meinung ist eben folgende:
Der Genuss steht bei mir im Vordergrund und eine objektivierung des Geschmackes ist sowieso etwas sehr "gewagtes" wegen unterschiedlichen Geschmacksempfindungen. Wir könnten das ganze natĂŒrlich ein wenig ĂŒberspitzen:
Ohrstöpsel rein und Augenbinde anlegen, denn mit jedem "verhinderten" Sinn konzentriert sich unser Bewusstsein intensiver auf die anderen Sinne. Um so lÀnger wir den Zustand zuvor haben, umso stÀrker tritt dieser Effekt bis zu einem gewissen Maà auf.
Dann noch ein wirklich neutrales (also vollkommen geschmacksfreies) Glas in einer geruchsfreien Umgebung.
Das wĂ€ren so ziemlich die gĂŒnstigsten Ausgangsbedingungen fĂŒr ein möglichst objektives Bewerten des GetrĂ€nkes.
Und doch kommt unser Bewusstsein und dessen Assoziationen dazwischen.
Folgenden Umstand habe ich so erlebt:
Glas Lagavulin bestellt, der die neugierigen Nasen meiner Freunde noch vor der meinigen erfahren hat.
Deren Kommentare: "Schei*e, wie kann man sowas nur trinken?!?"
Ich rieche, und in meinem Kopf kommt die Assoziation: "Riecht genau wie Barbecue!"
Dann wollen alle nochmal riechen, und siehe da, es riecht nurnoch halb so schlecht.
Die erste Sache, die ich also sagen will: Geschmack ist auch unter besten Ausgangsbedingungen subjektiv.
Das andere ist: Ich möchte die Spirituose in einer Situation bewerten, die mir wohl am hĂ€ufigsten begegnen wird (Normalbedingungen). Dies stellt fĂŒr mich die bessere Art des Testens dar, denn wie oft wĂŒrdest du denn auĂerhalb des Tastings darauf verzichten, dein GetrĂ€nk und dessen Optik wahrzunehmen?
