Cocktails & Dreams - Coole Drinks für heiße Sommer
 

25. Mai 2013, 18:46:16 *
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Autor Thema: Jägermeister vs. Mümmelmann / Wildbrunner Jagdbitter  (Gelesen 930 mal)
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mangomix
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« am: 12. Februar 2013, 22:13:25 »

Vor kurzem habe ich mit einer kleinen "Jury" aus Forumsmitgliedern, Freunden und Bekannten die Drinks des C&D-Forumswettbewerbs ausgemixt. Als Einstimmung gab's wie immer eine Pur-Verkostung. Da wir diesmal keine "Gattung", sondern ein Einzelprodukt - Jägermeister - gewählt hatten, bot es sich an, den bekannten Kräuterlikör wenigstens mal "blind" mit einem Wettbewerber zu vergleichen. Eher zufällig fiel die Wahl den "Mümmelmann Jagdbitter" aus dem ALDI.

Mit überraschendem Ergebnis! Doch zunächst:

Die Kandidaten:

Links eine Jägermeister-Flasche in Retro-Optik (Sonderedition 2012), der Inhalt ist identisch mit der regulären Abfüllung (35% Vol., im Handel ca. 10 €, Hersteller: Mast-Jägermeister SE, Wolfenbüttel). Rechts eine Flasche Mümmelmann als Oster-Sonderedition 2012 (35% Vol., Vertrieb durch ALDI Nord, 4,99 €). Die normale Flasche sieht leider sehr bieder aus. ALDI Süd führt offenbar ein identisches Produkt (gleicher Hersteller, gleiche Flasche, gleicher Preis) namens Wildbrunner Jagdbitter. Hersteller des Mümmelmann ist laut Etikett eine "Fr. Nienhaus Gmbh" in Berlin, aber das scheint (wie das "St. Vitus" beim Wildbrunner) eine Tarnfirma zu sein, um den wahren Hersteller zu verschleiern, wie das bei Handelsmarken üblich ist. Laut Martina Schneider gehöre die Fr. Nienhaus (Nachfolger) GmbH zur semper idem Underberg-Gruppe, wegen einer Niederlassung der Firma ausgerechnet in der Hubert-Underberg-Allee am Underberg-Stammsitz in Rheinberg. Geschmacklich haben Mümmelmann und Underberg allerdings wenig gemein. Zudem sind Mümmelmann und Wildbrunner aktuell bei der Rola GmbH & Co. KG gelistet, einer der "großen Zehn" auf dem deutschen Spirituosenmarkt (und soviel ich weiß noch konzernunabhängig, jedoch spezialisiert auf Handelsmarken, daher kaum bekannt). Lt. Website produziert Rola den Likör auch selbst, führt aber die Etiketten-Firmen "Fr. Nienhaus" und "St. Vitus" nicht bei den eigenen Tochterunternehmen. Die Markenrechte von "Mümmelmann" und "Wildbrunner" gehören wiederum ALDI - vielleicht hat man also auch einfach den Lieferanten gewechselt, früher Underberg, heute Rola. Wie dem auch sei: Aus Wolfenbüttel kommt der Trank jedenfalls nicht. Zwinkernd

Das Tasting
Jägermeister und Mümmelmann wurden pur bei Zimmertemperatur aus Whisky-Tastinggläsern verkostet. Bekannt war nur, dass ein Glas "original" Jägermeister enthält, im anderen war - durch den leichten Farbunterschied auch erkennbar - etwas anderes. Ob nun eine JM-Variante oder ein Wettbewerber und wenn ja welcher, wurde natürlich nicht verraten. Gefragt wurde:

1. Welcher Likör schmeckt dir besser?
2. Welcher ist deiner Meinung nach der (original) Jägermeister?

Das Ergebnis
Frage 1: 6 von 7 Testern schmeckte Mümmelmann besser als der "echte" Jägermeister. Ausnahme: eine Wein-Kennerin, die die JM-Probe zwar "einen Hauch sprittiger, aber dafür auch irgendwie fruchtiger" fand. Zwei bekennende Gelegenheits-JM-Trinker in der Runde entschieden sich für den ALDI-Likör.

Frage 2: 5 von 6 Testern hielten Mümmelmann sogar für den "original" Jägermeister. Als einziger richtig lag übrigens unser Forumsmitglied kruemel2306. Interessant, dass die JM-Freunde sich beide irrten.

Einig waren wir uns, dass Mümmelmann etwas weicher und geschmeidiger daherkommt als Jägermeister und auch einen Tick süßer ist. Insoweit ist die Bezeichnung "Jagdbitter" etwas irreführend - "Kräuterlikör" (wie JM) passt eher. Da wir ohnehin schon bei Zimmertemperatur probierten, wo Süße bekanntlich stärker wahrgenommen wird als in einem gekühlten Drink, dürften die Liköre in den meisten Mixgetränken erst recht austauschbar sein, bzw. Mümmelmann müsste nach diesem Ergebnis sogar die "besseren" Drinks machen.

Ein Fazit

Nun ist unsere kleine Gruppe nicht repräsentativ, aber ich fand es spannend, dass den meisten der halb so teure Mümmelmann nicht nur besser schmeckte als Jägermeister, sondern sie ihn überwiegend sogar für das Original hielten. Wenn nur diese verdammt hässliche Flasche nicht wäre Zwinkernd

Probiert es mal selbst ...
« Letzte Änderung: 12. Februar 2013, 23:09:52 von mangomix » Gespeichert

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Marler
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« Antworten #1 am: 13. Februar 2013, 23:46:43 »

Ein schöner Vergleich und eine tolle Recherche zu den Abfüllern!

Hier hast du ja anscheinend eine der wenigen Ausnahmen getroffen, bei denen Supermarktprodukte (im Vergleich zum Original) brauchbare Ergebnisse bringen. Solche Tastings finde ich immer wieder interessant. Auf das Trinken von Jägermeister oder guten Substituten verzichte ich aber trotzdem. Zwinkernd
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mangomix
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« Antworten #2 am: 14. Februar 2013, 19:40:09 »

Najaaaa ... wenn du öfters die Test liest: da landen die Handelsmarken von ALDI und Konsorten mit schöner Regelmäßigkeit auf vorderen Plätzen. Und mit "Supermarktqualität" können auch manche Spirituosen konkurrieren.

Was mich aber hier echt wundert ist der Preis! Für Jägermeister zahlt der Kunde ca. 10 €, für Mümmelmann die Hälfte. Auf den ersten Blick kein ungewöhnliches Verhältnis für eine Handelsmarke im Vergleich zum Markenprodukt. Rechnet man aber die Verbrauchssteuern (Branntwein- und MWSt.) raus, "kostet" Mümmelmann gerade noch 1,00 € (!), Jägermeister ist mit 5,20 € "netto" mehr als fünfmal so teuer! Das Missverhältnis würde noch eklatanter, zöge man gedanklich außerdem die (schätzungsweise bei beiden in etwa gleichen) Kosten für Rohalkohol, Zucker, Flasche/Etikett und Abfüllung ab. Da bleiben beim Mümmelmann nur Centbeträge für das übrig, was letztlich die "Qualität" ausmacht: Rezeptur, Herstellverfahren, Aromatisierung mit Kräutern, Lagerung. Okay, ALDI hat natürlich geringere Margen als der übrige LEH, es gibt keine Zwischenhändler, und vor allem kein aufgeblasenes Marketingbudget wie bei Jägermeister, mit Hubertusrat, Sponsoring und was nicht allem. Ich find's trotzdem erstaunlich dass das Zeug für so wenig Geld schmeckt. Oder umgekehrt, dass man für so viel mehr Geld beim Markenprodukt nichts "besseres" bekommt.
« Letzte Änderung: 14. Februar 2013, 19:42:18 von mangomix » Gespeichert

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kruemel2306
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« Antworten #3 am: 14. Februar 2013, 19:53:54 »

Dem ganzen kann ich nur zustimmen. Das war wieder mal eine interessante Erfahrung mehr in diesem Sektor.

An dieser Stelle vielleicht noch einen großen Dank an Chris für die Ausrichtung des Tastingabends und für einen mal wieder sehr lesenswerten Post.
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Marler
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« Antworten #4 am: 14. Februar 2013, 19:59:02 »

Najaaaa ... wenn du öfters die Test liest: da landen die Handelsmarken von ALDI und Konsorten mit schöner Regelmäßigkeit auf vorderen Plätzen. Und mit "Supermarktqualität" können auch manche Spirituosen konkurrieren.

Fehler meinerseits, ich habe die Aussage rein auf Spirituosen bezogen, es aber nicht hingeschrieben. Zwinkernd Bei den normalen Lebensmitteln stimme ich dir zu.
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Rob The Hat


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« Antworten #5 am: 21. Februar 2013, 23:30:34 »

Ein schönes Beispiel für den Wert von Blindverkostungen.
Wobei es hier sicher interessant gewesen wäre, ein anderes, hochwertiges Produkt wie Fernet Branca, Chartreuse Verte oder Galliano l'Authentico mit hineinzunehmen. Nicht etwa, um sie direkt mit Jägermeister und Co. zu vergleichen, sondern um die Tester zu testen.

Denn innerhalb des eigenen unmittelbaren Geschmackseindrucks neben den primäre Eindrücken: süß, sauer, bitter etc. noch weitere Empfindungen zu abstrahieren und zu benennen braucht Übung. Das ist jetzt keine Wertung, sondern meine Erfahrung etwa auch aus der Musik: lauter gefällt im direkten Vergleich praktisch immer besser.
Wobei ich die Fehler gerade bei Blindverkostungen für exzellente Lehrmeister halte, um den eigenen kritischen Geschmack zu schulen; wenn man das möchte. Denn unkritisch und quasi blind zu rezipieren ("ich trinke, schmecke höre etc., was mir gefällt", ist sicher der bequemere Weg.
Sorry, für ein bisschen off topic.  Augen rollen
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