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Autor Thema: Take a Flight - ein Gastbeitrag von Peter Eichhorn  (Gelesen 45558 mal)
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« am: 01. Mai 2011, 21:45:01 »

Take a Flight
ein Gastbeitrag von Peter Eichhorn

„Nimm den Flug!“ Ja, genau. Am besten gleich den nächsten Flug nach New York, und dann ab zur Happy Hour, an den Bartresen zum nächsten Flight.

Besonders in New York fiel mir zuletzt eine Position auf den Bar-Karten auf, die ich in Deutschland bislang leider ganz selten erlebt habe: Den Flight, ein kleines Verkostungs-Menü nach einem bestimmten Thema, sei es mit Cocktails oder auch mit puren Spirituosen. Das Konzept finde ich aus mehreren Gründen großartig: Zunächst hilft es dem Unentschlossenen, der sich zunächst nicht entscheiden mag, dabei, die Geschmacksknospen für den weiteren getränketechnischen Verlauf des Abends zu erproben. Dann fördert es die Kommunikation und bringt die Gäste dazu, über die Getränke zu sprechen, manchmal sogar mit den Nachbartischen. Das Angebot, einmal direkt zu vergleichen und Unterschiede zu verkosten, wird gerne angenommen. Zumal der Preis für den Flight in der Regel sehr freundlich kalkuliert wird.

Die „Flatiron Lounge“ in Midtown entwarf ein schönes kleines Mini-Tablett mit speziellen Mulden für die Gläser, in dem dann der „Flight of the Week“ an den Tisch kommt, was auch optisch den Genuss ergänzt. Das Motto für den Flight war der Tequila, in drei Cocktails verpackt, mit Rezepturen von klassisch bis innovativ.

Die Drinks sind dann von der Portion her kleiner. Der Flight entsprach mengenmäßig zumeist ein bis eineinhalb Cocktails, so dass er als Einstieg funktionierte und nicht die Gäste danach bereits benebelt wieder der Schankstätte entfleuchten. Frei nach den Worten des Schriftstellers und Pulitzer-Preisträgers James Agee, der z.B. „The African Queen“ verfasste: „Nach einem Drink ist es sehr schwer, nicht einen weiteren Drink zu nehmen; und nach dreien ist es noch viel schwieriger, nicht noch drei weitere zu nehmen.“

Ich habe die verschiedensten Flights kenne lernen dürfen. Als „Flight of the week“, „Flight of the day“oder, noch schöner: „Flight of the night“. Manchmal mit verschiedenen Drinks mit der gleichen Basis-Spirituose, oder mit diversen Varianten des gleichen Cocktails. So beispielsweise in einem relativ neuen Laden der New Yorker Bar Legende Sasha Petraske, der das Tiki-Thema in der „Painkiller“ Bar aufgreift. Trash, Burlesque und Street Art reichen sich die Gläser in diesem kuriosen Etablissement, das wenig mit seinen anderen Bars, wie „Milk & Honey“, „Little Branch“ oder „Dutch Kills“ gemein hat. (Seine Anteile an dem wundervollen „White Star“ hat Petraske übrigens gerade abgegeben.)

Ein Tiki Bar schreit förmlich nach dem Flight. Auch hier kam ein Tablett an den Tisch mit drei Variationen des Mai Tai. Faszinierend. Das öffnete die Augen für die Vielfalt einer einzigen Basis-Rezeptur. Die Begeisterung, mit der die Gäste den Einsieg annahmen, um danach weitere der etlichen Mai Tai Interpretationen zu bestellen, war gefährlich groß. Für manche unter ihnen mag am nächsten Morgen der „Painkiller“ zum „Painmaker“ mutiert sein...

Manche der Bars nutzten das Thema gleich für ein wenig Geschichte und Geschichten, kreieren mit dem Getränk gleich ein wenig Aura dazu, indem sie über den Flight ein Stück wissenswerte Cocktail-Historie und Getränke-Anekdoten kommunizieren.
Für die Pur-Spirituose bietet ein Flight natürlich ebenfalls die Einladung in ein Genuss- Spektrum, die mancher Gast gerne annehmen würde, wenngleich er nicht selbst darauf käme, beispielsweise drei Tequilas zu bestellen. Single-Malt- und Rum-Connaisseure würden einen interessanten puren Flight selbstverständlich sicher gerne in Betracht ziehen; aber warum sollte der Flight nicht gleichsam eine Einladung an die Gäste darstellen, Flüssigkeiten zu probieren, deren spannende Bandbreite und Variantenreichtum man so noch nie wahr genommen hat: Drei Gläser aus der gleichen Tequila-Manufaktur mit einem Blanco, einen Reposado und einem Anejo. Oder drei Reposados zum Vergleich. Eine Kostprobe mit Absinth, mit Premium-Sake oder gar mit Mezcal. Warum zeigt man dem Gast nicht einmal, das Cachaca nicht nur „ das Zeug in meinem Caipirinha“ bedeuten muss?

Der Barkeeper sollte den Gast mit einem Angebot des „ Flight“ nicht erziehen wollen, aber bereichern und neugierig machen und neue Türen öffnen. Manche Bars haben bereits gute Erfahrungen mit wechselnden Karten oder Monats-Specials. Großartiger Anfang! So funktioniert Kundenbindung und erwartungsfrohe Gäste werden regelmäßig wiederkehren. Frei nach einem russischen Sprichwort: „ Die Kirche ist nah, aber die Straße ist vereist. Die Kneipe ist weit, aber ich kann ja vorsichtig gehen...“

Der Autor: Peter Eichhorn trinkt sich gerne um den Erdball, lebt und arbeitet aber als Autor, Vortragender und Stadtführer in Berlin, wo er die Vielfalt der Hauptstadt-Barszene allwöchentlich erkundet, was in dem aktuellen Getränkeführer „ Berlin schenkt ein“ (Grebennikov Verlag ISBN 978-3941784055) nachgelesen werden kann. Er moderiert Whisky-Verkostungen und unterstützt das Team der Berliner „ Victoria“ Bar bei dem legendären „ Wandertag der Schule der Trunkenheit“ (nächster Termin: 1. Mai). Für die feste Nahrung ist zudem „ Berlin beißt sich durch“ im gleichen Verlag erhältlich. Als Blogger sorgt er für Futter für kulinarische Leseratten als EichiBerlin unter „ http://eichiberlin.wordpress.com“ Sein Motto: Ich jogge nie, ich würde sonst meinen Martini verschütten!
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Arnachie
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« Antworten #1 am: 11. Juni 2012, 10:12:18 »

Ja hört sich eigentlich gut an. Wie wärs, wenn man ein paar "Cocktail-Flight" Ideen hier sammelt.
Spontan fällt mir ein Gimlet Flight ein:
Gimlet, Richmond Gimlet und Ingwer-Orangen Gimlet
(glaube: 6 cl Gin, 4 cl Lime Juice, Ingwer, 3 gute Dashes Orange Bitters).

Was haltet ihr von
Daiquiri, Charles Daiquiri (ist schon sehr nahe am Orignal?) und dem Orange-Thyme Daiquiri aus dem Cocktailian? Habe letzteren aber noch nicht probiert. Gibt auch einen Frenche Daiquiri mit St.Germain, von dem ich aber eher enttäuscht war.
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celery
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« Antworten #2 am: 11. Dezember 2013, 12:19:32 »

Morgen werde ich versuchen, in der Halbestadt einen Flight zu ordern, allerdings ohne darauf zu hoffen, dass er freundlich kalkuliert wird. Warum nicht Williams Brand als Thema, eine Marke in drei verschiedenen Drinks. Ich werde dann berichten.

cheers, herb
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« Antworten #3 am: 22. Mai 2014, 21:15:19 »

Morgen werde ich versuchen, in der Halbestadt einen Flight zu ordern, allerdings ohne darauf zu hoffen, dass er freundlich kalkuliert wird. Warum nicht Williams Brand als Thema, eine Marke in drei verschiedenen Drinks. Ich werde dann berichten.

cheers, herb

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Jede hinreichend entwickelte Technik unterscheidet sich nicht mehr von Magie. - Arthur C. Clarke
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